Was kostet Ehrlichkeit
Ein Kunde kommt und will eine App. Du weißt nach zehn Minuten: er braucht keine App. Er braucht ein Spreadsheet und jemanden der es pflegt. Das kostet ein Zehntel. Die ehrliche Antwort kostet dich neunzig Prozent Umsatz. Ich habe das gemacht. Mehr als einmal. Es fühlt sich jedes Mal richtig an und jedes Mal falsch gleichzeitig.
Manchmal kommt der Kunde wieder. Nicht weil du billig warst, sondern weil du ihm nicht das verkauft hast was er wollte, sondern das was er brauchte. Aber manchmal kommt er auch nicht wieder. Er geht zum Nächsten der Ja sagt und du hörst nie wieder von ihm. Bei mir war das Verhältnis ungefähr halb halb. Das ist keine großartige Quote.
Ich merke dass Ehrlichkeit nicht binär ist. Es gibt nicht die eine ehrliche Antwort. Sage ich dem Kunden nur dass er keine App braucht? Oder sage ich ihm auch dass sein eigentliches Problem die Kommunikation im Team ist? Und wenn ja, wie weit gehe ich? Jede Stufe von Ehrlichkeit kostet mehr. Nicht nur Umsatz, auch Beziehung.
Was ich nicht weiß: gibt es einen Punkt ab dem Ehrlichkeit aufhört hilfreich zu sein? Wo sie übergriffig wird? Ich frage mich das bei jedem neuen Gespräch. Der Kunde fragt nach einer App und ich sehe drei andere Probleme. Muss ich die alle benennen? Oder reicht es das eine zu sagen das gerade dran ist?